MS Kollau

Von September 1923 bis 1935 pachtete die Ewerführerei Lütgens & Reimers die Alsterschifffahrt, die wegen Inflation und Kohlemangels nahezu zum Erliegen kam.

L&R setzte auf der Alster zunächst Barkassen aus dem Hafen ein, ließ dann aber eigens für den Betrieb auf der Alster 1925/26 10 neue Barkassen bei der Schiffswerft Johann Oelkers in Hamburg-Neuhof bauen. Ein ganz neuer und andersartiger Schiffstyp in der Alsterschifffahrt kam in Fahrt.

1930 Baute die Oelkers Werft für L&R als einzigen und letzten Nachzügler noch eine elfte Barkasse, die etwas länger und breiter war, und teilweise feste, geschlossene Aufbauten erhielt. Es war die Motorbarkasse „CLEMENTINE“. Für 116 Personen zugelassen hatte die „CLEMENTINE“ eine Länge von 16,16 m, und wurde zunächst von einem 2 Zylinder Dieselmotor mit 25 PS von Carl Jastram aus Hamburg-Bergedorf angetrieben.

Nach dem Verkauf an die Hamburger Hochbahn AG lief sie mit dem Namen „KAMERADSCHAFT“ bis zum Kriegsausbruch auf der Alster weiter.

In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg diente die Barkasse den britischen Besatzungsbehörden als Patrouillenboot auf der Alster und erhielt dafür einen mausgrauen Anstrich. Nach der Rückgabe an Die HHA im Dezember 1949 erhielt sie den Namen „GOLDBEK“. Dieser Name wurde jedoch nach gut einem Jahr wieder geändert, weil im Januar 1951 ein Hochdecker-Neubau mit diesem Namen auf der Alster Eingeweiht wurde.

Die Barkasse erhielt nun einen 3 Zylinder Jastram Motor mit 75 PS, und trägt seit dem den Namen „COLLAU“. Sie bediente nun hauptsächlich die Fährverbindung quer über die Außenalster zwischen Harvestehude und Uhlenhorst.

1959 wurde die Barkasse auf der Neerlandica-Werft in Holland umfassend im Stil der holländischen Grachtenboote modernisiert und ein Jahr später als erstes Alsterschiff mit Anlegemagneten ausgestattet. Der amtlichen Schreibweise des Tarpenbek-Nebenflusses folgend,  wurde der Name in „KOLLAU“ geändert.

1980 Erhielt die Barkasse einen neuen 6 Zylinder DAF-Motor, der sicherlich in Sachen Bedienung Vereinfachung schaffte und durch Entfernung des Motorschachtes mehr Platz für Fahrgäste bot, jedoch aber eine recht laute Laufkultur mit sich brachte.

Vielen Hamburgerinnen und Hamburgern dürfte die „KOLLAU“ durch ihren jahrzehntelangen Einsatz als Alsterfähre zwischen Harvestehude und Uhlenhorst noch in Erinnerung sein.

1991 wurde die Barkasse zum Abwracken verkauft. Doch die bereits abgetrennten Aufbauten wurden wieder aufgesetzt, und die „KOLLAU“ gelangte nach Henrichenburg, und wenige Jahre später in die Niederlande. Dort wechselte sie mehrfach den Eigner und erhielt nach und nach mehrere kleine Umbauten.
1996 umbenannt in „SIDDERAAL“, 1998 in „DE BOTALIER“, und 2005 nach Einbau eines gebrauchten 4 Zylinder Yanmar Dieselmotors in „PARIS HILTON“.

2016 erwarb der Verein Alsterdampfschiffahrt e.V. die Barkasse, und brachte aus eigener Kraft fahrend über Ijsselmeer und Kanälen nach Hamburg zurück. In Hamburg folgte neben der Anpassung der Farbgebung und einer neuen Zulassung die Umbenennung in ihren 1959 erhaltenen Namen „KOLLAU“.

In Kürze wird es auf einer Werft einige technische Anpassungen geben, die für den Betrieb auf der Alster Vorschrift sind. Auch eine endgültige Rückgestaltung der Farbgebung der 60’er Jahre ist in Arbeit.

Der Verein Alsterdampfschiffahrt e.V. strebt damit die Ankunft der „KOLLAU“ als fahrendes Museumsschiff auf ihrem ursprünglichen Heimatgewässer an.

 

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